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.....persönlicher Rückblick

Meine persönliche „Jahresbilanz“ Herbst 2017 – April/Mai 2018
Ende 2017 war es soweit. Ich hatte DEN Supergau als Mama. Meine Stimme war weg. ..

Zu anfangs war ich nur heiser….und irgendwann war sie dann ganz weg. Es folgten verschiedene Arztbesuche, viele Untersuchungen in Unikliniken, Logopädie, Entspannungsübungen, Physiotherapie. Ich lutschte jede Tablette. Trank und gurgelte Salbeitee, machte mir Leinsamenschleim, aß nur noch Porridge. Ich machte mehrmals täglich meine Lax-Vox und Stimmübungen. Jeden Morgen mindestens 15 Minuten Yoga um zu entspannen, ……nach einer gefühlten Ewigkeit (3 Monate) kam die Stimme wieder, leise und anfangs auch nur einzelne Vokale.

 

Allerdings konnte ich noch immer nicht den Kindern eine Geschichte vorlesen, an Sankt Martin nicht mitsingen, keine Telefonate führen, nicht ausgehen und mich mit Freunden treffen da ja keine Unterhaltung möglich war.

 

Ich musste somit schon Ende September meine länger geplante und herbeigsehnte Pilgerreise absagen.

Meine Nordic-Walking Kurse lagen ersteinmal brach.

An Coachinggespräche, Kurse usw war gar nicht zu denken.

Eine tolle Möglichkeit mit Kindern in Schulen zusammenzuarbeiten musste ausgeschlagen werden.

Beruflich wie ich auch privat lag ersteinmal vieles "brach".

 

 

 

Nach über 3 Monaten war ich mal wieder auf einem Geburtstag, allerdings war meine Stimme noch so leise, dass ich von allen Nebengeräuschen übertönt wurde. Eine Unterhaltung war somit leider nicht möglich, mein Mann setzte sich an diesem Tag, in diesem Moment zu mir und hielt einfach nur meine Hand und nickte mir zu. Er wusst wie ich mich fühlte.

 

Nachdem nach einiger Zeit die Stimme wieder vokalweise kam, gesellte sich allerdings Atemnot dazu.

 

So kam es, dass mein Mann und ich ein paar Stunden des 31.12.2017 in der Regensburger Unikklinik verbrachten.

 

 

Einige Zeit später befand ichmich bereits im ersten Krankenhaus. Dort lag ich auch noch am Hochzeitstag (13.01.). Dort wurde dann zum ersten mal entschieden, dass es ohne Cortison nicht weitergehen könne. Lange genug hatte ich versucht es irgendwie zu umgehen. Die Atemnot verging etwas nach einer sehr heftigen 4 tägigen intravenösen Cortison-Stoßtherapie. Nach einigen Tagen durfte ich nach Hause. Zu Hause wurde versucht das Cortison dann langsam „ausschleichen zu lassen“ und ich sollte zur Kontrolle zum Lungenfacharzt. Am Termin-kurze Zeit darauf-waren "die Werte" alles andere als berauschend und er überwies mich sofort in eine Lungenspezialklinik, nicht direkt um die Ecke…….ein langer anstrengender und kräfteraubender Weg begann. In dieser Klinik waren keine Kinder auf den Stationen erlaubt. Ich durfte die Station nicht verlassen. Eine sehr lange Zeit ohne meine Kinder und regelmäßigen Besuch begann.

Nebenbei weiterhin Cortison das täglich erhöht wurde, weil es einfach nicht besser wurde.

Je mehr Cortison desto mehr Nebenwirkungen……

 

Der 6. Geburtstag unseres Sohnes kam und ich war immer noch im Krankenhaus.

 

 

Die standesamtliche Hochzeit meiner „kleinsten Schwägerin“ kam und ich habe es nicht mehr ausgehalten. Ich musste gehen. Ich musste raus. Wieder ein Familienfest ohne mich. Noch weitere Stunden ohne meine Kinder….nein, es war zu viel

Mein Mann holte mich damals sehr spontan noch aus der Klinik ab. Nachts. Ich war unendlich froh nach Hause zu kommen. Auch wenn wir beide schon wussten, dass es noch nichts endgültiges sein wird. Ich genoss es. Ich genoss es so sehr bei meinen Kindern zu sein, dass ich oft vor Freude heimlich weinte. Und vor Angst, weil ich wusste und spürte das mein Körper, meine Lunge noch nicht so weit waren.

 

 

 

Kurze Zeit darauf war es dann auch wieder so weit, ein neuer Klinikaufenthalt stand an……Cortison hatte ich immer noch regelmäßig genommen. 10 Kilo mehr bekam ich kostenlos dazu, genauso wie die Schlaflosigkeit und die extreme Hitze die ich verspürte.

 

Beim erneuten Klinikaufenthalt befand ich mich auch nicht in unmittelbarer Nähe zu meiner Familie. Ich war kurz vor Starnberg………. das war mein letzter Klinikaufenhalt seither.

Nun bin ich ja schon wieder länger konstant zuhause.

Versuche dort anzuknüpfen wo es mich 2017 völlig ausgenockt hat.

Die Luft fehlt bei einigen Sachen immer noch klar, vorallem beim Sport oder Wandern merke ich es, dass ich noch lange nicht an meiner vorherigen körperlichen Leistungsfähigkeit angekommen bin und ob ich daran wieder anknüpfen kann/werde weiß auch noch niemand.

 

 

Aber ich habe wieder Stimme, bin umgeben von meinen Liebsten, kann mich mit Freunden und Familie treffen, Telefonate führen, und bin vorallem Cortisonfrei. Ich fühle mich gut und freue mich jeden Tag, jetzt wieder ganz viel Zeit bewusst zu genießen, für so viele kleine Dinge dankbar zu sein und nichts als selbstverständlich zu betrachten.

 

Mein Leben geht jetzt normal weiter, nur einfach anders, die „Route wurde neu berechnet“.

 

 

Warum ich das alles hier schreibe?

 

Um da draußen (besonders euch Frauen/Mamas) zu zeigen, dass hinter JEDEM EINZELNEN eine Geschichte steht, jeder von uns trägt eine in sich. Hier lest ihr einen Bruchteil meiner Lebensgeschichte.

 

Es läuft nicht immer alles nach Plan.

Aber steht jeden morgen einfach auf, sucht euch einen Kraftanker, seid dankbar, umgebt euch mit lieben Menschen und ganz ganz wichtig, glaubt an euch selbst und denkt POSITIV. Kein Weg führt immer nur gerade aus und ein Schritt ab vom weg, etwas Kurven, eine Steigung, ein Kreisverkehr oder ein paar Meter zurück ist nicht schlimm, am „Ende“ seid ihr um eine Erfahrung reicher und eure Lebensroute interessanter……..

 

Ich weiß: ….. scheiße ja manchmal ist das verdammt hart und schwer (sorry für die Ausdrucksweise), aber in euch steckt so viel Kraft, ihr seid zu so unfassbar viel fähig.

 

BE strong

Eure Anja